Euch geht’s zu gut

Euch geht’s zu gut.
Euch geht’s zu gut.
Euch geht es
doch allen
zu gut.

30-jährige
Kinder.
Verhinderte
Künstler.

Gekünstelte
Konversation
Mit der Mama
am Mobil-Telefon.

Undankbarer Streit.
Immer bereit
Sich zu beklagen
Über unerwünschte
Geburtstagsgaben.

Verlogen verwöhnte Sozialstaatseunuchen,
Mitesser, die mutlos Muse suchen
Als Grafikdesigner oder in Thailand
Bekifft am Frei- und Ausbeuterstrand
Damit auch der leichtherzigste Mann
Bald am deutschen Verwesen genesen kann.

Euch geht’s zu gut.
Euch geht’s zu gut.
Euch geht es
doch allen
zu gut.

La Mexicana

Ein Leben,
Das ich nie gelebt,
Hat mein Herz
Mezcalcholisch gemacht.

Eine Frau,
Die ich nie geliebt,
Sucht mich heim
Jeden Traum, jede Nacht.

Wir lachen
Und wir vögeln
Nur sprechen tun wir nie.

Gestern,
Als ich Dich küsste,
Dachte ich an sie.

SoHo

In SoHo ist es 6 Uhr am Morgen
Sie muss zur Arbeit.
Ich nicht.

Im Licht der Lichter der Grosstadt
Ergreift uns unbändige Lust,
Begreift sie all mein Begehren
Begreife ich ihre Brust.

Zähne und Zunge zigeunern
Zwischen Schultern und Schoß.
Sie rollt auf den Rücken. Ich behalte
Ein Knie auf dem Bett.
Dann geht’s los.

Mit dem anderen Fuß auf dem Boden
Versuchen wir dorthin zu geh’n
Wo sich Hoden und Hirn
Für Sekunden versteh’n,
Wo ihr Geist sich dem Leibe ergibt,
Wo man, kurz zwar,
Doch ohne List liebt.

Sie pinkelt, duscht, putzt die Zähne,
Ich stelle den Fernseher an.
Ein Kuss der büroroten Lippen.
„I’ll be late.
Love you, Hon.
That was fun“.

Karriere

Erstaunlich,
Wie weit man es bringt
Wenn man sich selbst betrügt.

Erstaunlich,
Wie vieles man schafft,
Wenn man sich selbst belügt.

Erstaunlich,
Wie gut es mir geht,
Obgleich ich doch alles verrate,
Was einst schien so wichtig zu sein.

Nur manchmal,
Am Sonntag,
Spät abends,
Da schlafe ich einfach nicht ein.

Vollgas

Hagel tanzt auf der Windschutzscheibe
Und dem strahlend schwarzen Strassenstreifen
Nach Mexico.

Hügel schwellen,
Täler fallen
Wolken jagen
Die Sonne zum Teufel.

Freiheit heisst Gaspedal
Und nasser Wind durchs Fenster
Und eine abgebrannte Tankstelle
In der ersaufenden Wüste.

Corrida Gitana

Ein schmaler Bursche,
Verdreckt und verarmt
Noch gestern ein Dieb
Und Streuner
Ist heute schon reich,
Ein Künstler, ein Gott
Im Stierkampf der Zigeuner.

Aufklärungswahn

Unsere tägliche Wahrheit
rammt uns heute in die Fresse!

Kausalsklaven, verdummte,
Lest uns die Wissenschaftsmesse!

Marschiert, marschiert, marschiert,
Ihr Forscher, ihr Denker, ihr Richter.
Vertreibt die Träumer, die Dichter,
Schlagt uns Fakten um die Ohren!
In euren sterilen Lebenslaboren
Irren Hoffende haltlos verloren,
Wenn Logik sie nicht interessiert.

Ich wende mich ab
Von Zwecken und Gründen
Als stünden Taxis an der Ausfahrt nach Sünden,
Nach Schmatzen und Schmecken und Riechen,
Nach Kriechen und Kreischen und Lauschen.

Das rote Rauschen der Wüsten
Der blaue Singsang der See.
Hallelujah,
Ich versteh!

Geht doch

Bisweilen quake ich Lieder
Und manchmal auch ein Gedicht.
Mir gefallen die meisten Gesänge,
Die Gedichte gefallen mir nicht.

Gedichte können niemals
Eine Antwort aufs Leben sein.
Denn Gedichte miauen ‚Geht doch…’
Und das Leben
Bellt meistens
‚Nein!’

Wild

Nackt,
Endlich nackt,
Wieder nackt.
Endlich wieder nackt.

Wild,
Endlich wild,
Wieder wild.
Wider Willen wild.
Endlich wieder wider Willen wild.

Nun schläfst Du.
Ich denke
Endlich
wieder
gar nichts.

Auf einer Couch im Sommer (Greenwich Village)

Die juli-braune Frau
Beugt sich
Wie zufällig
Nach vorne.

Es funktioniert;
Der Tölpel stiert
Ganz ungeniert
An ihrem schlanken Hals entlang
Tief in die rote Bluse,
Wo sich ihr kleiner schwerer Busen
Hebt und senkt.
Vollkommen.
Stetig.
Rund.

Sie spürt seinen Blick
Und lehnt sich zurück
Ihr Lächeln zeigt ihm die Zähne.

Sie streicht eine Strähne
Aus Gold von der Stirn.
Die Bluse spannt sich im Schwunge,
Und lacht mit rosa junger Zunge!

Des Tölpels tumbe Hirn
Schwirrt,
Hoffnungslos verwirrt,
Und hofft doch
Unbeirrt.

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