Dienstagmorgen, 2005

“Tuu jab, rai hen” murmelt Moses. Soll heissen “two jabs, right hand” aber Moses kommt aus Puerto Rico und mit dem Englischen hat er’s nicht so, auch nach 20 Jahre in New York. ”Jab” klingt bei ihm noch immer wie das deutsche Ja mit einem B zum Abschluss. “Tuu jab, rai hen” kommt der Befehl [...]

Los Angeles de California

Tief im Westen, wo Stars verstauben und Mickey Mäuse Täume rauben liegt die Engelsstadt am Strand verhurt, verlogen, abgebrannt. Don Jose wohnt bei den Armen neben der alten Putzfrau Carmen und wundert sich warum die Weissen selbst ihn, den Busfahrer, bescheissen nachdem sie schon das Land geklaut, das Meer verseucht, die Luft versaut und noch [...]

Aufgewacht

Weinberge und solche ohne Wein wellen sich durchs Hexental Von Au nach Wittnau zur Marie Luise nach Bollschweil. Die Mittagssonne blendet mich, von der Kreuzsteige aus uebersehe ich verstehe ich die ganze weite Welt. Da faellt dem Nachbarn im 18. Stock auf einmal ein die Ramones noch lauter zu drehen. Fucking 3 am, I’m trying [...]

Fluch der Flucht

Haben wirklich jene Recht, die sich mit dem bescheiden, was sie als Kindeskinder einst beschlosen zu durchleiden? Bequemer, ja, und gut bezahlt, Solch stetig steifer Gang. Ich jedoch renne weiter weg Und ende stets am Anfang.

Kreuzberger Nächte sind lang

Graue Gassen Graue Hunde Graue Runde Zu grauer Stunde Bunte Schnäpse In grausamen Schuppen Wir tanzen wild Bis in die Puppen Und wenn wir in den Puppen wüten Vermummen wir den Schwanz in Tüten Oder kommen behutsam auf Ihr graues Bein (Oder den Rücken, je nach dem Abtreibungen sind ja so unangenehm) Und feste Beziehung [...]

Auf Einmal

Gerade waren wir noch jung, und dumm und frisch verliebt und zuendeten die Kerzen an, von beiden Seiten. Nun, auf einmal, wechselst Du Windeln und das Thema, sobald wir, ansatzweise nur um Nichtigkeiten streiten. Und ich auch. Weil wir uns lieben? Wo sind denn bitte die Kerzen geblieben?

Manchmal

Manchmal –  wenn Frühlingsmonde scheinen Und alle Sinne sich vereinen, Wenn wir die Erde atmen meinen Und anerzog’ne Angst verneinen, wenn tausend Sterne uns betören und wir nur Grillen grasen hören, wenn weiche Winde uns verfühern und warme Wangen sich berühren, wenn wir, den Liebesakt vollbracht, verschachtelt wachen in der Nacht, verschmolzen, Bauch an Bauch [...]

Als Du erwachend die Augen auf schlugst

Du liegst verloren auf dem Bett, das schon so lang kein Liebespaar mehr sah. Von weitem wie ein Ei, ein Panzer, halb weich, halb unnahbar. Doch all die Federn, all die angezog’nen Knie, sie schützen nicht vorm Träumen. Dann wachst Du auf. Die Cello-Augen blicken Aus fast verklung‘nen Räumen, gedankenlos und ohne Groll. Dann bist [...]

Broadway

Am Times Square geht die Zeit viel schneller Vorbei. Die Straße eine schmierige Schneise, Voll mit Bettlern, Betrügern, Touristen. Man dreht sich im Kreise. Was ist denn So geil an der Geldmacherei? Ich sehe die aufrechten Affen drängen und kaufen und gaffen. Das Blinken blendet die Blinden. Eine Welt aus Münzen und Schein. Mtv, toys [...]

Strömend regnet die Sonne

Strömend regnet die Sonne Von meiner Stirn in die Brandung Die weisser noch strahlt Als meine Zehen, Die nun zick-zackig Rückwaerts gehen. Krebsen aufs Festland Treten im Treibsand Auf der Stelle. Nimm mich, Welle, Mit ins Grüne, Entschlacke die Schuld In salziger Sühne, Berge mich im Wellental, Stelle mich vor den Wal, Oder mache mich [...]

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